Mörder im Schafspelz

Mai 22

Die gemütlichen Dickhäuter können auch ganz anders- Elefantenangriffe auf Menschen, insbesondere ihre Pfleger, scheinen gang und gebe zu sein. Glaubt man jedenfalls dem verstorbenen Verhaltensbiologen und Zoodirektor Heini Hediger. Der hat gesagt „auf jeden im Zoo gehaltenen Elefantenbullen kommt ein toter Pfleger“. Von Genickbruch bis zur Erdrosselung haben die Riesen sämtliche hinterhältige Praktiken parat um ihre fürsorglichen „Betreuer“ um die Ecke zu bringen.

Nicht immer sind Elefanten so gutmütig

Nicht immer sind Elefanten so gutmütig

Unterschiedliches Vorgehen

Dabei gibt es durchaus regional bedingte Unterschiede in den Täterprofilen. Während afrikanische Elefanten eher dazu neigen ihre Opfer spontan zu attackieren, warten asiatische Tiere darauf diese allein abzupassen. Grausam kalkulierende Mörder, statt gutmütiger Dickhäuter?? Jeder dessen Kindheit von Benjamin Blümchen aus dem Neustädter Zoo begleitet wurde, wird das wohl kaum glauben können. Aber tatsächlich häufen sich aggressives Verhalten und Angriffe gerade in der letzten Zeit in europäischen Zoos. Jüngster Falle ereignete sich 2005 im Wiener Tierpark. Der 39-jährige Pfleger Gerd Kohl war mit dem noch nicht ausgewachsenen Jungtier Abu gerade bei der alltäglichen Morgenwäsche, als dieser ihn vollkommen unerwartet auf seine Stoßzähne aufspießte und an die Wand schleuderte. Kohl, der Abu seit seiner Geburt begleitet hatte, erlag wenig später seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Gründe für die “Mordlust”

Warum solche tragischen Vorfälle passieren, scheint bisher noch unklar zu sein. Eine Erklärung ist die sogenannte „Musth“, von der geschlechtsreife Bullen ab ca. 8 Jahren betroffen sind. In dieser fast einmonatigen Phase, die meist im Winter auftritt, sind Bullen, bedingt durch einen Hormon-Schub, besonders schlecht gelaunt und neigen teilweise sogar zu regelrechten Amokläufen. Das Testosteron scheint also wieder mal schuld zu sein.

Elefant während der Musth

Elefant während der Musth

Allerdings zeigen auch immer mehr Elefantenkühe ähnliches Verhalten. Ganz unverständlich ist dies meiner Meinung nach nicht. Immerhin sind Elefanten Wildtiere, die normalerweise in weiten Steppen in absoluter Freiheit leben. In den Zoos werden die Tiere zwar meist gut behandelt, leben aber in keinster Weise in einem natürlichen Lebensraum und müssen sich in ihrem Bewegungsdrang auf ein minimales beschränken. Dass da ein gewisses Aggressionspotential gegenüber den kleinen Wesen, die sie in dieser Gefangenschaft halten, aufkommt finde ich irgendwie verständlich.

Vorbild Köln

Neuartige Projekte, wie beispielsweise das Gehege im Kölner Zoo setzen auf eine Distanz zwischen Mensch und Tier, das Prinzip des geschützten Kontakts. Viel Platz, ein eigener Tagesrhythmus und kompetente Pfleger, die aber größtenteils von den Riesen getrennt bleiben, scheinen die Grundsätze für ein funktionierendes Zusammenleben von Mensch und Tier zu sein.

Elefant und sein Pfleger- Solche Situationen werden im Kölner Zoo vermieden

Elefant und sein Pfleger- Solche Situationen werden im Kölner Zoo vermieden

(Bildquelle:  paraflyer justin, tambako (von oben nach unten))